FREIHEIT IM FOKUS | Hannes Henkelmann und Sonja Weidhase | Fotografie – Poesie – Dialog

Heißer Tag, heiße Themen Zu dieser fotografischen Hommage an die Demokratiebewegung der „Corona-Jahre“ 2020 bis 2022 fanden sich trotz der regelrecht „menschenfeindlichen Temperaturen“ von etwa 38 Grad am Freitag, 27.6.26 etwa 40 unerschrockene Teilnehmer im Bürgerhaus Lage ein. Nach der Begrüßung durch unseren Vereinsschatzmeister Michael Horstmann und einem ersten, bewegenden Poetry-Text der Autorin Sonja Weidhase […]

Heißer Tag, heiße Themen

Zu dieser fotografischen Hommage an die Demokratiebewegung der „Corona-Jahre“ 2020 bis 2022 fanden sich trotz der regelrecht „menschenfeindlichen Temperaturen“ von etwa 38 Grad am Freitag, 27.6.26 etwa 40 unerschrockene Teilnehmer im Bürgerhaus Lage ein.

Nach der Begrüßung durch unseren Vereinsschatzmeister Michael Horstmann und einem ersten, bewegenden Poetry-Text der Autorin Sonja Weidhase zum Thema Rede- und Gedankenfreiheit, „Argumentum ad hominem“ beginnt der Osnabrücker Fotograf Hannes Henkelmann mit seinem Bildervortrag.

Erinnerungen auf Leinwand

Eine gute Stunde lang bekommt das aufmerksame Auditorium Eindrücke zu sehen, die dank des guten Auges dieses Fotografen direkt in die Seele zielen. Menschen jeglichen Alters und Hintergrundes hatten sich im August 2020 zum großen Friedensfest an der Berliner Siegessäule versammelt, um ihrer Ablehnung der unmenschlichen Corona-Maßnahmen Ausdruck zu verleihen. Hannes Henkelmann hatte Szenen eingefangen, die dem heutigen Betrachter teils noch immer Gänsehaut über den Körper jagen – trotz der Hitze im Veranstaltungsraum. Viele von uns waren zu dieser Zeit selbst bei den Demonstrationen dabei oder haben diese über Live-Streams im Internet verfolgt.
Gesichter mit sorgenvollen Augen in Großaufnahme. Sommerlich bekleidete Frauen, die Polizisten in voller Schutzkleidung plus Helm und Maske gegenüberstehen und eine flehentliche, sprachlose Kontaktaufnahme versuchen. Polizeigewalt an hilflosen Rentnern. Kinder, Väter, Mütter, alte und junge Menschen, Menschen mit Behinderungen. Polizisten, deren Augen über ihrer Maske eigene Zweifel und Ratlosigkeit ahnen ließen.

Es wird anhand der Fotos nochmals mehr als klar, dass hier die Mitte der Gesellschaft mutig angetreten war, auch wenn die Medien sämtlichst anderes berichteten.

Hannes Henkelmann sorgt mit den Entstehungsgeschichten zu den Bildern hier und da für Nachdenklichkeit, aber auch für das eine oder andere heitere Schmunzeln.
Das Publikum belohnt seine großartige Arbeit mit einem langen, dankbaren Applaus. Wir alle sind uns bewusst, gerade eine wichtige Dokumentation der neuesten Zeitgeschichte gesehen zu haben. Die Bildbände, die an diesem Abend signiert zu erwerben sind, erfreuen sich denn auch großer Beliebtheit bei den Anwesenden.

Sonja Weidhase rundet diesen ersten Teil des Abends mit einem äußerst passenden Text und ihrer einzigartigen, gefühlvollen Vortragsstimme ab. Inspiriert vom Philosophen Agambe entwickelte sie die Betrachtung über „Das nackte Leben“, welches das körperliche, biologische Dasein als Gefäß für die Seele, für unsere Lebendigkeit beschreibt. Es geht dabei um den Umgang mit dieser „Lebendigkeit“, unserer Menschlichkeit in den Lockdown-Situationen, die dem absoluten Schutz des Überlebens unserer bloßen Körper unterworfen wurden.

Nach einer etwas längeren Pause, in der reichlich gekühlte Erfrischungsgetränke und Frischluft genossen werden, geht es im zweiten Teil des Abends um

Freundschaft – Druschba

Eingeleitet von einer weiteren Darbietung Sonja’s, ist die Fokussierung des Publikums schnell wieder auf dem Punkt präsent. Unter dem Titel „Heimat“ geht um eine gefühlte Entfremdung von sich selbst und von den eigenen Werten durch die gesellschaftlichen und politischen Ideologien der neuen Zeit. Heinrich Heines „Nachtgedanken“ werden dabei als Inspriation verwendet und auf Sonjas eigene Art variiert. Auch hier stellt sich ein tiefes Verstehen im Publikum ein, was durch einen rauschenden Applaus zum Ausdruck kommt.

Hannes Henkelmann teilt nun seine Fotosammlung von Druschba-Friedensfahrten nach Russland mit uns, aufgenommen in den Jahren 2016 bis 2019. Hier überrascht er die Zuschauer mit wunderschönen Bildern von z. B. St. Petersburg und Moskau, die eine ungeahnte Modernität aufgeräumter Städte zeigen, neben der die mächtigen Traditionsbauten strahlen.
Dazu: Menschen. Portrait um Portrait finden die uns unbekannten Individuen einen intuitiven Weg in unsere Herzen.

„Menschheits-Familie“…

An diesen – nicht von jedermann geliebten – Begriff mochte man unwillkürlich denken. Hannes Henkelmann hat mit seinen Bildern und Erfahrungen eine respektvolle und friedliche Stimmung transportiert und damit unsere wohlwollende Neugier auf Fremdes angesprochen.

Abgeschlossen wird der Abend mit Sonjas Text „Memento Mori – bedenke, dass du sterblich bist“. Hier schildert die Autorin die geradezu desillusionierende Endlosschleife so mancher moderner Existenz, die sich nur noch zwischen den Anforderungen des Arbeitsalltages und dem hypnotischen Zustand von Ablenkung durch Social Media, TV-Serien und Shoppen unnützer Dinge bewegt. Wann leben und erleben wir? Wann spüren wir, dass wir wirklich lebendig sind? Der Zuschauer wird hier geradezu schmerzhaft darauf gestoßen, dass das wahre Leben außerhalb dieser Scheinwelten stattfindet. Da, wo wir Menschen treffen, Nähe teilen und wirklich in unserem Fühlen sind. Wortkunst par excellence!

Wir sind froh, einander heute Abend wieder getroffen zu haben, auch wenn die Bedingungen schwierig waren.
Miteinander verbunden haben wir gefühlt, uns erinnert und auch neu erlebt. Danke allen Beteiligten, es war uns eine große Ehre!

Mit hohem persönlichen Einsatz haben wir dieses Event sehr gern für euch gestaltet:

Lucia, Marianne, Theresia, Michael, Meik und Astrid

 

🍬Bonbons

Die Spitzentemperatur der laufenden Hitzewelle von 38 Grad war ausgerechnet für unseren Veranstaltungstag angesagt! Und jetzt? Aufgeben oder Anpassen? Das Team entschied sich, den Stier bei den Hörnern zu packen! Jeder schleppte alles an, was zur Abkühlung helfen konnte:

6 Ventilatoren für Bühne und Zuschauerraum
1 Eiswürfelmaschine aus Gütersloh
1 Strandmuschel (für Eiswasser zur Getränkekühlung) aus Lübbecke
Kühlboxen und -taschen
Wasserpistolen
Blumensprüher

Die Befürchtung, einen vollkommen unerträglichen Abend verbringen zu müssen, den man besser abgesagt hätte, war dahin! Die Luft war in Bewegung, kühles Wasser verfügbar.

Das OrgaTeam und beide Künstler haben sich später am Abend noch gemeinsam auf dem Weinfest in Lage verlustiert und ihre Leistungen gefeiert. Eine schöne Erfahrung und absolut verdient.